Geben und Nehmen

Der Eine nimmt, der Andre gibt:
Das ist der Arbeitgeber,
der seinen Arbeitnehmer liebt -
zu Wein und Gänseleber.

Er gibt und gibt ihm Stund‘ um Stund‘,
pro Woche zwei-, dreihundert.
Er gibt sich seine Stechuhr wund,
die sticht und sich nicht wundert.

Er gibt den Ton an, sich sozial
und Partys für den Landrat,
ansonsten Acht aufs Personal
und jede kleine Schandtat.

Gibt er dann frei und geht’s ans Meer,
gibt er dich nicht verloren,
schickt dir die E-Mails hinterher,
zur Not auf die Azoren.

Der Eine gibt, der Andre nimmt
drum Antidepressiva -
damit die Leistungskurve stimmt,
auch gern mal exzessiva.

Er nimmt vorlieb und sich beschwingt
ein Beispiel am Kollegen,
danach den Hut (betriebsbedingt)
und schließlich sich das Leben.

So nimmt er Abschied und dann Platz
in seiner Sperrholztruhe,
der Eine trauert in der FAZ
und gibt dann endlich Ruhe.


Geste der Versöhnung

Der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex hielt es für undenkbar; eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Allensbach widerlegt nun seine Einschätzung: 67 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus, den Juden Auschwitz zu verzeihen. „Wir waren selbst überrascht“, sagt Albert Müller-Egersdorf, Leiter der Forschungsgruppe, „das deutsch-jüdische Verhältnis galt ja lange als angespannt. Da ist so eine Geste der Versöhnung schon eine kleine Sensation.“ Nun sei es an Israel, die historische Chance zu nutzen und einen Entschädigugsfonds für KZ-Wächter und deren Hinterbliebene einzurichten.